IT-Girls wanted

Frauen mit Interesse an IT, Fehlanzeige? Nicht ganz. Die KIT-Studentin Gianna Reich beschäftigt sich zwar in erster Linie mit Geisteswissenschaften, ist aber sehr interessiert an der Informatik. Vor ein paar Wochen erhielten wir von ihr Post, warum es denn keine Einführungskurse in diese Materie für Frauen gibt und ob Nerd-Zone solche nicht Angebote initiieren könnte. Wir greifen diesen Ball gerne auf und planen bereits in diese Richtung. Zuvor haben wir Gianna um ein Interview gebeten:

Stelle Dich doch bitte unseren Lesern kurz vor:

Mein Name ist Gianna, ich bin gelernte Mediengestalterin und studiere aktuell im 5. Semester Germanistik und Angewandte Kulturwissenschaft am KIT. Nebenher studiere ich noch im 2. Semester Wirtschaftswissenschaft an der FernUni Hagen und gebe das Onlinemagazin Geisteswirtschaft heraus.

Nimmst Du Karlsruhe als technikbegeisterte Stadt wahr? Wenn ja, wie zeigt sich das?

Ich bin vor etwa 2,5 Jahren vom Ruhrgebiet nach Karlsruhe gezogen und habe Karlsruhe durchaus als technik-, aber auch als designbegeistert wahrgenommen. Das beginnt bei den zahlreichen technischen Studiengängen die man in Karlsruhe studieren kann, geht über Veranstaltungen wie das 3D-Festival BEYOND oder die Messe CLOUDZONE und endet in der großen Dichte an IT-Firmen, die hier ansässig sind und z.B. Studentenjobs ausschreiben.

Auch als nicht-Informatikstudent interessierst Dich für das Programmieren. Was reizt Dich daran?

Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und möchte bei vielen Dingen wissen, wie sie funktionieren. Da landet man dann zwangsläufig irgendwann bei der Frage: Wie ist das eigentlich programmiert? Was steckt dahinter, wenn dies und das passiert? Auch durch meinen Job als Mediengestalterin gibt es immer wieder Berührungspunkte mit dem Programmieren. Nicht zuletzt finde ich, dass man in diesem Bereich sehr kreativ sein kann. Das zeigen z.B. Projekte wie blinkenlights des Chaos Computer Club.

Technische Studiengänge sind ja sehr Männer-dominiert. Was müsste Deiner Ansicht nach geschehen, damit sich mehr Frauen dafür begeistern können?

Ich denke das beginnt schon in der Schule. Obwohl meine Schulzeit nicht lang zurück liegt, hatte ich immer das Gefühl dass die Jungs eben in Fächern wie Mathe und Physik gut sind und Mädchen eher Fächer wie Sprachen und Kunst zugeschrieben werden. Das wurde so vielleicht nicht gesagt, aber es war eine unausgesprochene Tatsache. Und wenn man im Unterricht von Mitschülern ausgelacht wird, weil man mal eine Frage mehr stellt oder nicht alles auf Anhieb versteht, dann schwindet die Begeisterung für ein Fach sehr schnell. Im Nachhinein finde ich es sehr schade, dass ich mich nicht mehr für Fächer wie Mathe interessiert habe. Was man damit alles machen kann und in wie weit man mathematische bzw. technische Kenntnisse auch im Job braucht, ist mir erst an der Uni klar geworden. Zu spät! Durch mein Studium der Wirtschaftswissenschaften möchte ich nun einiges aufholen, aber es wäre toll gewesen wenn man mich schon in der Schule für die MINT-Fächer hätte begeistern können. Ich denke wenn man versucht diese Geschlechterklischees abzubauen, dann würden sich auch mehr Frauen für technische Studiengänge entscheiden. Glücklicherweise findet das ja schon teilweise statt.

Du lebst mit zwei Informatikern in einer WG. Welche typischen Nerd-Klischees sind bei Eurem Zusammenleben denn schon bestätigt worden?

Also ich muss sagen, dass ich in meiner WG ganz glücklich bin. Aber ein typisches Nerd-Klischee, das auch bei uns erfüllt wird, ist die mangelnde Kommunikation. Mein Mitbewohner hat z.B. wochenlang die Getränkekästen mit dem Fahrrad transportiert, was sehr umständlich ist ohne Anhänger. Irgendwann kam dann per Zufall heraus, dass mein anderer Mitbewohner zur selben Zeit den Wagen seiner Eltern hier in Karlsruhe hatte und er nach eigener Aussage einfach “vergessen” hatte, es uns zu sagen (wohl wissend, dass sein Mitbewohner sich immer derart mit den Getränken abmüht). Mit dem Auto hätte man natürlich super bequem einkaufen können. Klarer Fall von Epic Fail. Unseren WG-Server voller Musik und Filme möchte ich dafür aber nicht mehr missen! Auf dem hoste ich nämlich auch mein Onlinemagazin und meine E-Mails.

Gianna, wir danken dir für dieses Interview.